Währungsreform 1948

Finanzwirksame Gesetze:

Währungsgesetz vom 18.06.1948
Emissionsgesetz vom 18.06.1948
Umstellungsgesetz vom 20.06.1948
Festkontengesetz vom ...10.1948

"... Das deutsche Geldvolumen war von 60 Milliarden Reichsmark 1938 auf rund 300 Milliarden RM bei Kriegswende angewachsen. Die Besatzungsmächte hatten zusätzlich eigenes Besatzungsgeld gedruckt ... Preis- und Lohnstopps und Devisenbewirtschaftung bei gleichzeitiger Warenknappheit auf allen Gebieten hatten zur Entstehung schwarzer Märkte geführt. Das Papiergeld war zeitweilig seiner Funktion als Tauschmittel entkleidet - eine Zigaretten-Währung war entstanden (1 Zigarette = 7 RM). Die von den Alliierten im Jahre 1945 auf etwa 400 Milliarden RM geschätzte Reichsschuld mußte auf ein für die Finanzwirtschaft erträgliches Maß reduziert werden.

... Jedermann erhielt am Stichtag einen Kopfbetrag von 40 DM, später noch einmal 20 DM. Binnen sechs Tagen war alles Altgeld abzuliefern und im Verhältnis 10 : 1 umzutauschen, wobei allerdings die Hälfte dieser Beträge zunächst auf einem Festkonto verbucht wurde. Löhne, Gehälter, Renten, Mieten und Verbindlichkeiten, die nach dem Stichtag eintraten, sollten 1 : , RM-Forderungen grundsätzlich 10 : 1 umgestellt werden. Unternehmen erhielten Übergangshilfen für geschäftliche Zwecke - 60 DM je Arbeitsnehmer. Länder und Gebietskörperschaften bekamen DM-Beträge in Höhe von einem Sechstel ihrer Isteinnahmen während des Halbjahres Oktober 1947 bis März 1948.

Da Teile der ursprünglich im Verhältnis 10 : 1 umgestellten Altguthaben später gestrichen wurden, ergab sich bei vielen Konten ein Umstellungsverhältnis 100 : 6,5. Über Nacht waren die Schaufenster gefüllt. Schlagartig öffneten die Fabrikanten und Händler ihre Lager. Die Währungsreform konnte Erfolg haben und Vertrauen zu dem neuen Geld wecken, weil ein annäherndes Gleichgewicht zwischen der monetären Nachfrage und dem Güterangebot eintrat ...

Eine hohe Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und eine steigende Geldmenge rief einen starken Preisanstieg hervor ... Hatte der Preisindex für Verbrauchsgüter (1938 = 100) am Stichtag den Stand von etwa 150 aufgewiesen, so stieg er auf 185 Ende 1948. Im Frühjahr 1949 konnte die Politik der Notenbank die Preissteigerungen wieder langsam eindämmen. ..."

Manfred Rexin: Die Jahre 1945 - 1949, in Edition Zeitgeschehen, hgg. von Herbert Lilge: Deutschland 1945 - 1963, Hannover 1979, Seite 14 ff

 

 

Auszug aus: Johannes Mario Simmel, Es muß nicht immer Kaviar sein, Seite 434f - über die Auswirkungen von Geld- bzw. Sachkapitalbesitz im Jahre 1948 ...!

"... Später an diesem Abend unterhielten sie sich über ihre Zukunft. Thomas kam auf ein neues Geschäft zu sprechen: "Wir haben hier eine Menge Geld gemacht. Das Geld müssen wir jetzt anlegen - und zwar schnell."
"Warum schnell?"
"Ich habe da etwas gehört ... Glaub mir, es muß schnell gehen. Wir werden Autos kaufen. Amerikanische Pontiacs, Cadillacs und so weiter."
Thomas erwärmte sich über seinem Thema. Für einen Dollar, erklärte er, mußte man im Moment etwa 200 R-Mark bezahlen. Nun, sie hatten Geld genug! Natürlich bekam man als Deutscher keine Einfuhrlizenz für amerikanische Autos. Sei's drum! Thomas hatte da einen kleinen Angestellten der amerikanischen Militärregierung kennengelernt. Der schied eben aus dem aktiven Dienst aus. Jackson Taylor hieß der Herr. Er würde eine Einfuhr-Lizenz bekommen.
"Mr. Taylor gründet pro forma ein Autogeschäft in Hamburg und verkauft die Karren - für uns."
"An wen? Hat doch kein Mensch Penunze hier!"
"Das wird sich bald ändern."
"Wie viele Autos willste denn kaufen?"
"Na, so an die hundert!"
"Jesus! Und gleich rüberkommen lassen?"
"Ja. Nein. Ich will sie kaufen und rüberkommen lassen. Aber vielleicht nicht gleich."
"Sondern wann?"
"Das hängt davon ab, wann das Ding steigt."
"Was für ein Ding?"
Thomas sagte ihm, was für ein Ding ...


Am 10. Juni 1948 lief die "Olivia" aus dem Hafen von New York aus. Am 17. Juni befand sich das Schiff mit einer Ladung von 100 amerikanischen Automobilen auf einer Position von 10 Grad 15 Minuten westlicher Länge und 48 Grad 30 Minuten nördlicher Breite vor der Westküste Frankreichs. An diesem Tag erhielt der Kapitän den folgenden chiffrierten Funkspruch:
norddeichradio - 17 juni 48 - 15.43 uhr - von reederei schwertmann hamburg an captain hannes dröge - im namen des cargo owners fordern wir sie auf ihre jetzige position bis auf weiteres beizubehalten und deutsche hoheitsgewässer vorläufig nicht anzulaufen - halten sie den funkverkehr mit uns aufrecht - sie bekommen neue weisungen - ende

Daraufhin kreuzte die "Olivia" drei Tage und drei Nächte lang in dem erwähnten Seegebiet. Die Besatzung richtete einen Turnus-Dienst ein, pokerte und soff. Immer wieder ließ man den unbekannten "Cargo Owner" hochleben.
Am 20. Juni erreichte den angeheiterten Ersten Funker dieses chiffrierte Kabel:
norddeichradio - 20 juni 48 - 11.23 uhr - von reederei schwertmann,hamburg an captain hannes dröge - im namen des cargo owners fordern wir sie nun auf unverzüglich hafen hamburg anzulaufen - ende

Während der Erste Funker das Kabel für den angeheiterten Captain dechiffrierte, hörte der angeheiterte Zweite Funker eine Nachrichtensendung von Radio London ab. Er nahm die Kopfhörer von den Ohren und sagte: "Da haben sie heute bei uns in Deutschland eine radikale Währungsreform bekanntgegeben. Das alte Geld ist nichts mehr wert. Nur 40 Mark pro Nase werden umgetauscht."
"Das geht nie gut", unkte der Zweite Funker.
"Mensch, mein Erspartes", sagte der Captain.
"Reich ist jetzt der, der Waren hat", sagte der Erste Funker.
Dem Zweiten Funker stand der Mund offen: "Junge, Junge, unser Cargo Owner hat jetzt einhundert Autos!"
Der Captain nickte schwermütig: "So ein Ding müßte mal unsereiner drehen. Ein gerissener Hund. Wüßte gern, wer das ist!"
Lieber Captain Hannes Dröge, vielleicht lesen Sie zufällig diese Zeilen. Dann wissen Sie es jetzt also ...

Am 10. März 1948 hatte der tschechische Staatspräsident Masaryk Selbstmord begangen, und Benesch war verhaftet worden.
Am 18. April waren die neuen Lebensmittelrationen für die Vereinigten Westzonen bekanntgegeben worden. In vier Wochen erhielt der deutsche Normalverbraucher: 400 Gramm Fett, 100 Gramm Fleisch, 62,5 Gramm Trockenei und 1475 Gramm Nährmittel.