Deutschland zwischen 1945 und 1949 - die Nachkriegsjahre

Die auf Kriegswirtschaft ausgerichtete Produktion führte vor allem seit 1943 zu einer wesentlichen Verschlechterung der Versorgungslage der Bevölkerung in Deutschland, denn die bis dahin erfolgte Ausplünderung der eroberten Gebiete konnte nicht mehr aufrecht erhalten werden.
Mit dem Kriegsende am 08.05.1945 war die Kriegswirtschaft beendet und die deutsche Wirtschaft zwar zerrüttet, das industrielle Anlagevermögen lag aber immer noch über dem Stand von 1938.

Aber auch die Zivilwirtschaft war nicht funktions- und leistungsfähig - der Übergang zu einer Friedenswirtschaft war sehr schwierig: In der Britischen Zone konnte eine geplante Lebensmittelversorgung von 1500 kcal nicht eingehalten werden.
Insgesamt drei Lösungswege ergaben sich
1. Lebensmittelimporte durch die Alliierten
2. der Schwarze Markt und
3. Private Hilfe duch CARE-Pakete und Schulspeisungen

Schwarzmarktpreise in Hamburg, 1946
1 kg Butter
450,-- bis 500,-- RM
3 Pfd. Brot
20,-- RM
1 Pfd. weißer Zucker
80,-- RM
1 Pfd. Fleisch
60,-- RM
Brutoverdienst männlicher Arbeitnehmer
42,21 RM

 

Zitat:

"Die gespaltene Nachkriegswirt-schaft befand sich in einer verfahrenen Situation. Nur das staatliche Verteilungssystem war überhaupt in der Lage, der gesamten Bevölkerung ein Mindestmaß an Lebensmitteln zukommen zu lassen. Aber für eine richrige Planwirtschaft fehlte den Staatsbeamten der Zugriff auf die landwirtschaftliche Erzeugung. Während das staatliche Bewirtschaftungssystem immer wieder an seine strukturellen Grenzen stieß, konnte der illegale Markt - ohne die Verpflichtung, die gesamte Bevölkerung zu versorgen - einzelnen Individuen alles beschaffen, wenn sie über die nötigen Gegenwerte verfügren. Und doch verschleierte die illegale Marktwirtschaft, dass sie ledigkich imstande war, Einzelnen etwas zu beschaffen, aber keinesfalls alle mit dem Nötigsten zu versorgen. Eine Freigabe des Marktes nach dem Krieg hätte sogar wegen des immensen Geldüberhangs eine folgenschwere Inflation und die Verelendung von Millionen bedeutet." (Quelle: GEO-Buch/ Der Neubeginn, Deutschland zwischen 1945 und 1949, Seite 166)

12/1946
1.1.1947
Die drei westlichen Besatzungszonen werden zum
zu einer wirtschaftlichen Einheit zusammengefasst, die Trizone soll leistungsfähiger sein
Winter 1946/47
eisige Kälte mit Dauertemperaturen unter -20°C führt zu einer Erschöpfung der knappen Kohlevorräte, das Verkehrssystem bricht zusammen und damit sind Versorgungsengpässe (kaum 1000 kcal), fehlende Heizmittel und Krankheiten und Tod vorprogrammiert
1948
Anstieg der Kriminalität "wegen Hunger und Liebe"

Die wirtschaftliche Entwicklung kommt voran, wie die Zahlen der folgenden Tabelle belegen:

Zeitpunkt
Bereich
BIP in % des Jahres 1938
1947 nur Landwirtschaft
4 Zonen
47%
1947 nur Industrieproduktion
Trizone
33%
Juni 1948
Bizone
43%
Dezember 1948
Bizone
66%
September 1949
Trizone
79%
1953
BRD
> 100%

 

Lösungsschritte für Deutschland waren Marshall-Plan, Preisfreigabe und Währungsreform:

Mit dem Marshall-Plan wurde am 5. Juni 1947 ein Wideraufbauprogramm gestartet, das bis 1952 für 16 Länder Europas Wiederaufbauhilfe im Rahmen des ERP brachte. Deutschland erhielt 1,6 Mrd. US-$, mit dem älteren GARIOA-Programm insgesamt 3,2 Mrd. US-$ an Hilfen. Ziele waren der Abbau der Außenhandelsbarrieren in Europa, die Steigerung von Produktion und Beschäftigung durch eine stabile Währung und einen ausgeglichenen Staatshaushalt sowie die Einbeziehung Deutschlands in den europäischen Wiederaufbau - dies bedeutete für Deutschland politisch sehr viel, denn Wiederaufbau und Wiedereingliederung durch einen Partnerstatus erfordern eine Wirtschaftsverwaltung

Seit Sommer 1946 war eine Währungsreform geplant und seit dem Herbst 1947 in Westdeutschland eigentlich eine beschlossene Sache. Demzufolge wurde im März 1948 die Bank deutscher Länder gegründet und am 20.06.1048 dann eine Währungsreform durchgeführt. Die DM ersetzte die Reichsmark und beim Austauschverhältnis von 100 (RM) : 6,5 (DM) war ein neues Gleichgewicht zwischen Geld- und Gütermenge gefunden. Gleichzeitig ware die erheblichen Staatschulden (ca. 420 Mrd. RM) gegenstandslos geworden.


Die gleichzeitig durchgeführte Preisfreigabe führte es zu einem Aufschwung mit zunächst starken Preissteigerungen, wobei der Inflationsschub erst Anfang 1949 beendet wurde - bis dahin (10/1948) waren die Löhne noch stark kontrolliert, was zu einem Generalstreik (11/1948) gegen die Wirtschaftsreform führte.
Anfang 1949 schlägt der Aufschwung in eine Rezession um - die industrielle Produktion wächst zwar, aber das Wachstum insgesamt ist rückläufig und die Arbeitslosigkeit steigt stark an (1,3 Mio. Arbeitslose in Westdeutschland ohne Westberlin im Sepember 1949). Der Arbeitsmarktkrise folgen Anfang 1950 soziale Spannungen und Forderungen nach Arbeitsbeschaffungs-programmen. Erst im zweiten Halbjahr 1950 kommt es wieder zu einem tragfähigen Aufschwung durch den Koreakrieg (Rüstungsboom in den USA, Exporte in die Gebruchswarenlücke sowie innerdeutsche Vorratskäufe). 1950/51 durchlebt Deutschland eine Zahlungsbilanzkrise.

1953 schließlich ist der Wiederaufbau beendet, das Bruttosozialprodukt übertrifft erstmals den Stand von 1938 und mit dem Übergang zu einem anhaltenden Wirtschaftswachstum beginnt das "Wirtschaftswunder" in Deutschland, das erst 1967 unterbrochen wird .....

 

es folgt noch
graphische Darstellung konjunktureller Entwicklungen 1945-1949 und Gründe dafür: