50 Jahre brain drain

Im strukturschwachen Landkreis Neustadt/Aisch - Bad Windsheim finden Abiturienten kaum einen Arbeitsplatz, der ihr Abitur angemessen verwerten lässt. Sie müssen abwandern - und das nicht nur zum Studium, sondern für immer.

Diese Aussage stand unbewiesen im Raum, so dass wir im Schuljahr 1985/86 im Rahmen der Strukturanalyse die 30 Abiturjahrgänge 1954 bis 1984 erfassten und den Umfang von Wohnen bzw. Arbeiten im Landkreis bzw. außerhalb davon ermittelten.

In den beiden Schuljahren 2007/2008 und 2008/2009 konnten wir die Abiturjahrgänge zwischen 1954 und 2004 erfassen und somit die Datengrundlage auf 50 Jahre ausbauen.

Abiturienten aus dem Zeitraum zwischen 1954 und 1984 wohn(t)en nur zu 21,4 % im Landkreis, 18,1% haben hier auch ihren Arbeitsplatz. Die nach Ausbildung bzw. Studium Zurückgekehrten waren überwiegend Lehrer und Ärzte, die in den 60er und 70er Jahren noch freie tellen im Landkreis fanden. Aus den o.g. Zahlen resultiert auch, dass nur ein verschwindend geringer Anteil von 3,3% im Landkreis wohnt und zur Arbeit aus dem Landkreis auspendelt.
Alle anderen haben den Landkreis zu Studium und Ausbildung verlassen und sind danach nicht mehr zurückgekehrt (78,6% hinsichtlich Wohnen, 81,9% hinsichtlich des Arbeitsplatzes)

Der zweite Erhebungszeitraum von 1985 bis 2004 zeigt ein ähnliches Bild, allerdings mit leichten Abweichungen: nun wohnen noch 37,5% im Landkreis und 62,5% außerhalb - während 26,8% im Landkreis arbeiten - der "Rest" von 73,2% außerhalb.
Steigende Pendlerzahlen (10,7% Auspendler) werden ermöglicht durch einen Ausbau der Verkehrsverbindungen und eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur (Straßenausbau, VGN) - und weitere Wege werden in Kauf genommen.
Ein Verbleiben im heimatlichen Landkreis wird auch möglich, indem Arbeitsplätze eingenommen werden, die früher nicht ein Abitur voraussetzten oder gar nicht in Frage kamen.
Schließlich haben sich mit dem Wachstum des Ballungsraums Nürnberg und dem Entstehen der Metropolregion auch neue und zusätzliche Arbeitsplätze im Landkreis ergeben, die unsere Abiturienten aufnehmen konnten.
Allerdings bleibt es bei über 70% dauerhaften Abwanderern zu außerregionalen Arbeitsplätzen - die alte Vermutung wird auch durch jüngere Daten bestätigt.

Die Gesamtzahlen des 50-Jahres-Zeitraums 1954 bis 2004

28,8% unserer Abiturienten wohnen im Landkreis
71,2% wohnen außerhalb des Landkreises
78,0% arbeiten außerhalb und
22,0% arbeiten im Landkreis

lassen weiterhin die Aussage zu: brain drain aus Gründen der Strukturschwäche unseres Landkreises